Der Anglerverein Linkenheim 1963 e.V.
Es wird von Zeitzeugen berichtet, dass bemerkenswerte Umstände zur Gründung des AV Linkenheim
geführt haben: angesichts der drohenden Gefahr, dass der damals schon übermächtige und expandierfreudige Anglerverein
Karlsruhe ein Auge auf die Gewässer wie z.B. den Baggersee Streitköpfle geworfen hatte, waren die ortsansässigen Petrijünger
in Zugzwang, wenn sie auch in Zukunft eigenständig und frei die heimischen Gewässer befischen wollten. In dieser Situation
haben sich daher, einem spontanen Impuls folgend, sämtliche Gemeinderäte und einige "ruhmreiche" Linkenheimer Angler am
11. Mai 1963 im Gasthaus "Zum Strauß" zusammengefunden, um einen eigenen Anglerverein aus der Taufe zu heben. Die
Gründungsversammlung ist mit 63 anwesenden Bürgern überliefert, die Eintragung als ordentlicher Verein im Vereinsregister
Karlsruhe datiert auf den 23. August 1963, den Zeitpunkt der Satzungserrichtung. Zu diesem Zeitpunkt waren schon 103
Mitglieder registriert. Das Interesse am Angeln war also offenbar sehr groß. Aus den ersten Wahlen ging Wilhelm Nees als
Gründungsvorstand hervor.
In dieser Zeit stand bei den meisten Anglern wohl tatsächlich die Aussicht auf eine Beute, die den heimischen Speisezettel
bereichern könnte, im Vordergrund. Andererseits - so wird berichtet - war die Angelei an sich bei der Allgemeinheit (und wohl
damals auch schon bei den Ehefrauen!) nicht besonders hoch angesehen und galt vermutlich eher als eine kritikwürdige Form des
Müßiggangs.
Die Aktivitäten des Anglervereins bestanden in den ersten Jahren nach der Gründung in der Durchführung von
Vereinsmeisterschaften und auch schon damals in der Ausrichtung von gemütlichen Vereinsfesten. Mit dem Beginn des Jahres 1965
verpachtete die Gemeinde die Fischereirechte im Baggersee Streitköpfle. Nun war ein Fischgewässer vorhanden, das gepflegt und
unterhalten sein wollte. Damals wie heute sah sich der AVL deshalb in der Pflicht, Geld für die Bestreitung der
Fischbesatzmaßnahmen zu erwirtschaften. Eine Jahreserlaubniskarte wurde im Jahr 1963 für Mitglieder mit 15,- DM abgegeben, ein
Preis der sich schon bald erhöhen sollte.
Im Laufe der kommenden Jahre, besonders in den 70ern und dem Anfang der 80er Jahre erlebte die Angelfischerei einen
beachtlichen Aufschwung. Auch die Menge der gefangenen Fische in den zahlreichen Pachtgewässern des AV Linkenheim erreichte
z.B. im Jahre 1984 einen nie dagewesenen und seither unerreichten Höhepunkt. Die Angelfischerei hatte sich zunehmend in eine
Hobby- und Freizeitbetätigung als Ausgleich zum Alltagsstress gewandelt. Heute hat die Angelfischerei nicht nur in Linkenheim
mit den Folgen der Gewässerverschmutzung, der Gewässerverbauung und nicht zuletzt mit dem seit einiger Zeit aufkeimenden
Naturschutz zu kämpfen. Der Angler gilt in den Augen einiger Aussenstehender als "Naturnutzer", weil er sich "anmaßt", der
Natur Ressourcen zu entnehmen und sie somit "auszubeuten". Wer so argumentiert verkennt jedoch, dass der primäre und
gesetzlich verankerte Auftrag des Anglers darin besteht, die ihm anvertrauten Gewässer zu pflegen und sie im Einklang mit der
Natur so zu bewirtschaften wie auch ein Bauer sein Feld bewirtschaftet. In modernen Sprachgebrauch nennt man das
"Nachhaltigkeit". Dieser Anforderung wird durch gesetzliche Schonzeiten und Mindestmasse, Fangbegrenzungen und durch gezielten
Neubesatz schon seit jeher Rechnung getragen. Jeder Angler wusste schon immer, dass ein laichbereiter Fisch im
Wasserwertvoller ist als in der Pfanne.
Im Jahr 1987/1988 hat der AV Linkenheim sich einen lange gehegten Traum erfüllt und ein Vereinsheim am Baggersee Rohrköpfle
"Im Gründel" erstellt. Dort kann man beim Frühschoppen an jedem Sonntagmorgen den Anglern beim Praktizieren des sogenannten
"Anglerlatein" lauschen. Auch ein "Rentnerstammtisch" trifft sich dort regelmässig. Nicht zuletzt gibt es eine
Jugendabteilung, in der Heranwachsende an die Angelfischerei herangeführt werden.
Peter Pramann